Auftaktkonferenz am 20. Juni 2012

Größtes Demografie- und Tarifprojekt zur Zukunft der Dienstleistungsbranchen offiziell gestartet

Alternsgerecht Arbeiten Schlüssel zur Zukunft

 

Auftaktkonferenz - Einführung in das ProjektAuftaktkonferenz - Einführung in das Projekt

Fit oder fertig? In einer alternden Gesellschaft hängt das entscheidend von der Qualität der Arbeitsbedingungen ab. Deren Entwicklung wollen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Personalverantwortliche und Betriebsräte, Politik und Wissenschaft nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt Einfluss nehmen. Am 20. Juni ist dazu das Projekt ZusammenWachsen – ArbeitGestalten mit einer großen Auftaktkonferenz in Berlin offiziell an den Start gegangen.

Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit (inqa) geförderte Demografie- und Tarifprojekt bringt erstmalig bedeutende Spitzenvertreter der Tarif- und Betriebspolitik aus den Dienstleistungsbranchen Handel, Pflege, Sozial- und Erziehungsdienst, ÖPNV und Straßenmeistereien zusammen. Ihr Anliegen ist es, langfristig die Gestaltung der Arbeit zu beeinflussen und den Herausforderungen des demografischen Wandels mit betrieblichen Modellen und einer nachhaltigen Tarifpolitik zu begegnen.

 

Überlebensfrage: Gute Arbeit für Jung und Alt

In den fünf teilnehmenden Dienstleistungsbranchen arbeiten deutschlandweit rund sieben Millionen Beschäftigte – mehr als in der Industrie! Kommt es dort in den nächsten Jahren zu personellen Engpässen, ist nicht nur die diffizile Logistik für den Industriestandort gefährdet, sondern auch die existenzielle Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen.

„Der zu erwartende Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um gut fünf Millionen in den kommenden 15 Jahren, macht deutlich: Die Zeit drängt. Es muss gehandelt werden“, sagt Tatjana Fuchs, Projektleiterin von ZusammenWachsen – ArbeitGestalten und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Empirische Sozialökonomie (inifes). „Wenn sich jetzt so viele Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Tarif- und Betriebspolitik aufmachen, nachhaltige Bedingungen für ein gesundes und motivierendes Arbeiten vom Berufsstart bis zum Renteneintritt zu schaffen, sind wir bereits einen großen Schritt vorangekommen“, so Fuchs weiter.

 

 Praktikable Modelle für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen

Vorträge und WorkshopsVorträge und Workshops

Am Projekt ZusammenWachsen – ArbeitGestalten beteiligen sich Expertinnen und Experten aus über 50 Tarifgebieten von München bis Hamburg, von Sachsen bis zum Ruhrgebiet. Sie erproben Modelle für eine alternsgerechtere Arbeitsgestaltung – von Gesundheits- und Ideenwerkstätten, alternsgerechten Berufsverläufen über gesundheitsförderliche Führungsansätze bis hin zur Ausbildung von betrieblichen Ergo Scouts – und unterstützen neue tarifpolitische Ansätze.

In fünf Workshops haben sich auf der Konferenz Netzwerke gebildet, um für die jeweilige Branche passende Lösungen zu diskutieren. Diese Netzwerke werden bis 2014 weiter zusammenarbeiten und -wachsen.

Stefanie Nutzenberger (Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft)Stefanie Nutzenberger (Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft)

Stefanie Nutzenberger, Mitglied im Bundesvorstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft und zuständig für den Handel, vertritt vier Millionen Beschäftigte: „Die Gestaltung guter Arbeit ist zentral bei der Bewältigung des demografischen Wandels. Beschäftigte sollen auch in Zukunft gesund und sozial abgesichert in Rente gehen können. Dazu gehört, dass sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten entwickeln konnten, sie mit Respekt und Wertschätzung behandelt wurden und ihre Altersversorgung für ein würdevolles Leben reicht“. ver.di mache sich für verbindliche tarifliche Rahmenregelungen in den Branchen stark – Gesundheits-, Qualifizierungs- und Demografie–Tarifverträge könnten gute und alternsgerechte Arbeitsbedingungen regeln, den Beschäftigten Beteiligungs– und Qualifizierungsrechte einräumen und den Übergang in die Rente gestalten. „Gute Arbeit braucht gute Tarifverträge und engagierte Menschen, die diese in den Betrieben umsetzen“.

 

Tarifpolitik wichtiges Gestaltungsmittel

Auch die Arbeitgeberseite hat erkannt, dass es höchste Zeit ist, zu handeln. Rainer Marschaus, Metro Group, leitet den Arbeitskreis Tarifgestaltung beim Demografienetzwerk ddn. Er weiß: „Tarifpolitik ist ein wichtiges Gestaltungsinstrument im demografischen Wandel. Tarifparteien müssen umdenken, wenn sie ihrer Verantwortung gerecht werden wollen.“ Die Verengung der Arbeitsmärkte sei mittlerweile eine elementare Frage für viele Unternehmen – und längst kein regionales Problem mehr. Die Azubi-Suche wird schwieriger, der Anteil älterer Beschäftigter nimmt ebenso zu wie die Neueinstellung Älterer.

Rainer MarschausRainer Marschaus

Diese veränderte Altersschichtung bedingt in den Betrieben ein verändertes Miteinander der Generationen – ein wichtiges Anliegen der Konferenz. In der Industrie habe man mit Demografie-Beratungen auf betrieblicher Ebene flexibel handhabbare Konzepte mit guten Praxischancen entwickelt, so Marschaus. „Zukünftig wird es wichtig, Arbeitszeit über einzelne Lebensphasen zu gestalten. Erfahrungen in unserem Konzern zeigen: Fragen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, des flexiblen Rentenübergangs und der Qualifizierung über das gesamte Berufsleben gewinnen an Wichtigkeit. Wir müssen die isolierte Betrachtung von Einzelphänomenen aufgeben und stattdessen die Gestaltung des demografischen Wandels als Querschnittsaufgabe verstehen – auch in der Politik.“

Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, anlässlich der Auftaktkonferenz: „Ein Unternehmen, das kräfteschonende Arbeitsbedingungen schafft, das Wohlbefinden der Beschäftigten in den Mittelpunkt rückt und in Weiterbildung für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert, wird im Wettbewerb um die besten Köpfe einen doppelten Vorteil haben, denn es stärkt damit nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch die Motivation seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

 

Umdenken zu wertschätzender Perspektive

Gerd Hoofe (Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales)Gerd Hoofe (Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Projektleiterin Tatjana Fuchs umreißt die Ziele des Vorhabens: „Wir wollen, dass möglichst alle Menschen in der Arbeit alt werden können, bei guter Gesundheit, mit vielen Chancen, sich und die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln – und mit Freude!“ Ein Umdenken hin zu einer freundlichen, wertschätzenden und anerkennenden Perspektive auf das Altern sei dringend geboten. Nur wenn Belegschaften generationenübergreifend zusammenarbeiten, könnten sie sich gemeinsam nach vorn entwickeln. „Es geht sowohl um ein Zusammenwachsen als auch darum, zusammen zu wachsen – weil dann Erfahrungswissen, Können und Kreativität altersübergreifend Wertschätzung erfahren. Das Motto gilt: Arbeit gestaltet Zukunft. Tarifverträge gestalten Arbeit im demografischen Wandel“!

 

 

 

Programm Auftaktkonferenz ZusammenWachsen - ArbeitGestalten

TPL_CUBASTART_ADDITIONAL_INFORMATION