Pflege

Zukunft der Pflege sichern

Gezielte Programme fürs Älterwerden im Job

Mit 58 Jahren in die Rente, weil die Arbeit in der Kranken- oder Altenpflege zu anstrengend ist? Derzeit normale Praxis: 40 Prozent der Krankenschwestern und 35 Prozent der Altenpflegekräfte scheiden aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus. Ganz anders in Finnland: Gezielte Programme führten dazu, dass in Pflegeberufen ausgebildete Frauen zwischen 55 und 64 Jahren zu 57 Prozent erwerbstätig sind. Gelingen konnte dies mit alters- und alternsgerechter Arbeitsgestaltung, die berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz bietet. Wichtig dabei ein Führungsstil, der die Kompetenzen älter werdender Belegschaften würdigt. Das Beispiel zeigt: Mit aktiven Maßnahmen zur Arbeitsbewältigungsfähigkeit können Menschen gesund und motiviert bis zum Renteneintrittsalter arbeiten; Gute Arbeit für Jung und Alt in Pflegeberufen ist möglich. Doch hierzulande? Ältere Pflegekräfte fühlen sich in den Vorruhestand gedrängt, jüngere wechseln oft nach wenigen Jahren den Beruf oder erwägen dies zumindest. Gründe für den gewünschten oder vollzogenen Ausstieg dürften die Arbeitsund Organisationsbedingungen liefern: Wechselschichten rund um die Uhr und an sieben Tagen der Woche, Überstunden und häufige Springerdienste verknappen Erholungszeiträume. Zeitdruck und Überlastung bestimmen den Arbeitsrhythmus, Regenerationspausen sind rar.

Gemeinsam Wege aus dem Teufelskreislauf finden

Ein Teufelskreis: Schwierige Körperhaltungen und anstrengende Bewegungsabläufe bedingen gesundheitliche Probleme, die wiederum erschweren die Arbeit. Wenn dazu noch ein fehlendes Zusammengehörigkeitsgefühl im Team kommt, wird die Entscheidung: »Aussteigen oder Dabeibleiben? « oft genug negativ ausfallen. Dabei werden motivierte und beständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend gesucht: Während in den 1990er Jahren noch das Schlagwort einer personellen Überversorgung im Gesundheitsbereich die Runde machte, haben inzwischen viele Krankenhäuser Probleme, Stellen zu besetzen. Einer Studie von PricewaterhouseCoopers (2010) zufolge werden 2030 mehr als 400.000 Arbeitsplätze in der Pflege nicht besetzt sein. Darin ist der wachsende Personalbedarf in der Altenpflege noch gar nicht berücksichtigt! Hinzu kommt, dass die in Gesundheitsberufen Tätigen immer älter werden. Leider befürchten Pflegeleitungen oft, dass Ältere physisch und psychisch nur eingeschränkt leistungsfähig sind. Allzu oft wird älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geringe Flexibilität nachgesagt. Doch die Branche kann es sich nicht leisten, weiterhin auf Erfahrungswissen und Kompetenzen Älterer zu verzichten. Unabhängig vom Lebensalter müssen ausgebildete Fachkräfte länger im Beruf bleiben. Um das zu erreichen, ziehen im Projekt ZusammenWachsen – ArbeitGestalten Wissenschaftler und Sozialpartner mehrerer großer Pflege- und Gesundheitseinrichtungen an einem Strang: Gemeinsam wollen der Landesverband des Bayerischen Roten Kreuzes, das Bezirkskrankenhaus Günzburg, das Klinikum Fürth, die Medizinische Hochschule Hannover und das Alten- und Pflegeheim Wiblingen neue Wege gehen. Sie diskutieren in Gesundheitswerkstätten berufsspezifische Probleme und Lösungen, entwickeln altersgerechte Tätigkeitswechsel und Berufsverläufe, erheben gesundheitskritische und förderliche Aspekte der Pflegearbeit, ermitteln Bedürfnisse und Möglichkeiten für Lebensarbeitszeitgestaltung und bilden Ergo Scouts aus.

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